Ran an den Gartenzaun – Wie ich gegen die aussterbene Spezies des Homo-Trump anschrie.

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Letztes Wochenende habe ich mich in einem Mann gegenüber gestellt, der mir bekannt, regelmäßig seine Frau schlägt. Ich habe nicht zuerst die Polizei gerufen (was auf jeden Fall die bessere Wahl ist), sondern bin ganz bewusst in die Konfrontation eingetreten. Die schon laufende Aggression wurde durch meine Intervention unterbrochen. Damit wurde auch sofort die Aufmerksamkeit weiterer Nachbarn auf mich gezogen und ich erhielt Unterstützung. Ich hatte Glück. Meine geschlagene Nachbarin hatte auch einmal Glück. 

Im Nachhinein war ich sehr aufgewühlt, ob ich damit zu weit gegangen bin, ob ich mich unnötig in Gefahr gebracht habe. Ich war allein zu Haus und hätte eigentlich auch damit rechnen können, dass er mir gegenüber gewalttätig wird. Doch letztendlich bin ich überzeugt in dieser Situation das Richtige getan zu haben. Auch wenn wir schon oft die Polizei gerufen haben und der betroffenen Frau immer wieder versucht haben zu helfen, verändert sich nichts an der Situation. Es ist halt ein Mensch, der jeden Respekt vor Autoritäten verloren hat – ein „Homo-Trump“ eben.

Ohne jetzt weiter auf die Details einzugehen, ist mir bei diesem Vorfall eine Sache ganz besonders aufgestoßen, die ich an mir bemerke. Wir ducken uns alle zu oft. Wir verstecken uns hinter förmlichen Konventionen und wollen nicht aus dem Rahmen fallen, wenn doch aber jemand anderes ganz eindeutig diesen Rahmen des gesunden Miteinanders mit Füßen tritt. Wir denken innerlich in solchen Momenten so oft ganz laut „HACKT’s?!“, aber lächeln und sagen nichts, weil wir glauben, damit für den Moment uns selbst zu schützen. Wir wollen Unverschämtheiten, ja gar Unrecht ausblenden, um uns nicht unnötig zu belasten. In einer Zeit mit diesen Trumps in der Welt bin ich es tatsächlich leid, mir mit ansehen zu müssen, wie ein trauriges Exemplar Homo-Macho, nicht mitbekommt, wie die Welt sich dreht.

Ich habe genug und werde solche Übertretungen meines persönlichen Rahmens des Anstands nicht länger dulden und mische mich ein. Wenn es in meinem Kopf laut „Hackt’s?“ ruft, dann hacke ich zurück. Ich übertrete das ganze Jahr schon immer wieder meine eigentlich gesetzten Grenzen der Konventionen. Wo ich sonst eher zurückhaltend bin und Konfrontation scheue, bin ich nun da und diskutiere mitunter an gegen veraltete Bilder, die die Vision einer friedlichen Zukunft zerstören.

Ich rede mir tag-täglich ein, dass all das „Ge-Trump-e“ dort draußen in der Welt das letzte retardierende Moment der Weltgeschichte ist. Das letzte Aufbegehren von Macho-Wesen, die aus Angst vor Diversität und ihre Vormachtstellung zum Äußerten greifen. Ich wünsche mir, dass wir alle, die an eine Zukunft für Liebe und gegen Hass glauben, all diesen Menschen mit Irritationen begegnen. Irritationen, die sie ihnen eigene Lächerlichkeit aufzeigen. 

Irritiert sie! Wütende Hunde, die ihrer Aggression nachgehen, lassen sich zum Beispiel sehr gut stoppen, wenn man sie mit Wasser bespritzt. Also kommt nun der Gartenschlauch mit an den Gartenzaun. 
PS: Ich bin bewusst nicht auf weitere Details dieses Falls von häuslicher Gewalt eingegangen, sondern nur auf den Bereich, der mich selbst unmittelbar betrifft. Die Perspektive der Frau, die hier Opfer ist, möchte ich nicht näher beschreiben, um sie zu schützen. Ich wünsche ihr und allen anderen Opfern von häuslicher Gewalt die nötige Kraft, die nötige Rückendeckung, um ihre selbstzerstörerischen Muster zu durchbrechen und sich loszureißen. Entkommt dem Strudel von Gewalt. Ich sehe nicht weg und bin stolz in einer Nachbarschaft zu leben, wo sich viele einmischen, vor allem andere Frauen. 

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