Tage wie dieser. (Teil 2)

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Seit ich Mutter bin, musste ich lernen, dass es planbare Tage gibt und unplanbare Tage. Ich musste akzeptieren, dass das Wichtige und Dringende im Leben oft nicht die Arbeit ist und das gedachte Dringende und Wichtige nur noch Dringend, aber nicht wichtig genug ist. Kinder werden krank, es passieren Unfälle, die Kita ruft an, innerhalb von Minuten muss man alles, was geplant war, umorganisieren. Noch vor zwei Jahren waren solche Momente Horror für mich. Manchmal verursachten diese Momente Wut und Verbitterung in mir, gezeigt in viel Sarkasmus und Ironie. Abgeladen hat sich das dann an Menschen, die mitunter nichts dafür können… meine Kinder, mein Mann. Doch letztlich war da immer eine kleine Stimme, der ich nun verstärkt immer lauter zuhöre: „Das schaffst du schon!“

Denn schaue ich zwei-drei Wochen später zurück auf diesen Moment, erkenne ich, die wichtigen Dinge wurden erledigt. Liegen geblieben sind nur Unwichtigkeiten, die vielleicht niemals wichtig genug werden, dass sie auch abgearbeitet werden. Eigentlich schaue ich dann zurück auf eine Zeit der höchsten Effizienz. Meine Überlebensstrategie in solchen Tagen ist oft, dass ich mich in den Zustand versetze des Ich-habe-es-geschafft-Moments. Ich beame mich quasie ans Ende der Woche und weiß dann, es ist geschafft, ich habe das geschafft.

Diese Woche erlebe ich mal wieder ein paar dieser Tage. Die Kita ist 3 Tage wegen Weiterbildung geschlossen. Das war geplant und ist auch organisiert. Die Kinder wurden demokratisch verteilt zwischen Großeltern, Papa, Mama. Dazu waren geplant je 2 Auswärtstermine vom #besterehemann zur Cebit, einen Tages-Tripp bei mir zu einem Kunden, sowie ein gemeinsamer Business-Termin am Abend. Das heißt, geplant stünden zur Verfügung für meine Arbeitszeit zwei volle Tage, sowie zwei zerstückelte Tage (volle Eltern-Tage = 8h am Stück // zerstückelte Elterntage = 8h Arbeit verteilt auf 16h).

Ein kleiner Unfall verschiebt nun die zur Verfügung stehenden Arbeitsstunden. Anfangs fiel ich in mein altes Muster zurück: Verbittert meckerte ich in mich hinein, wie ich denn nun all das schaffen soll. Diesmal war ich jedoch erstaunt über all diese negativen Gefühle für eine Situation, die ich nicht beeinflussen konnte, die niemand hätte verhindern können. Was für ein Quatsch eigentlich nun noch Energien ins Sauer-Sein aufzubrauchen.

Deswegen betrachte ich diese Tage nun anders: Statt verbittert bin ich dankbar. Dankbar dafür, dass ich so flexibel arbeiten kann, um mir spontan Zeit frei zu räumen und trotzdem keinen meiner Kunden verprellen muss. Dankbar dafür, dass ich eh mit geschlossener Kita geplant habe und nun nur einen Tag mehr die Kinder organisieren muss. Danbar für die Großeltern gegenüber, die nun die Kinder shcon am Abend über Nacht nehmen, dass ich ohne Stress zum Flughafen komme. Dankbar für tolle Geschäftspartner, die selber vorschlagen, das geplante Meeting ins Naturkundemuseum zu verlegen, so dass ich die Kinder einfach mitnehmen kann. Dankbar dafür, dass das Tagesgeschäft nun eben mal eine Woche ruhen muss. Dankbar dafür, dass es nur ein kleiner Unfall, kein großer war und in ein paar Tagen alles wieder gut sein wird.

Wir werden verbittert, wenn uns die Fähigkeit dankbar zu sein, abhanden kommt.

Beim Nachhause-Laufen von der Kita (meine 10 Minuten Auszeit) fiel mir auf, dass das Wort Verbittert ja auch mit dem Wort Bitten zusammenhängt. Im Gegensatz zu Dankbarkeit, sagt es letztlich aus, dass wer zu viel vom Leben erbittet und dagegen nicht mehr dankbar ist, in Verbitterung eingeht.

Akzeptiere ich meine Situation und nehme sie als kleine Herausforderung an, wachse ich daran wieder ein Stück, teile ein Stück Persönlichkeit und zeige meinen Kindern, dass es nicht darum geht, das Leben komplett zu planen, sondern man in der Lage sein sollte, in jeder Situation Kraft zu haben, um Optionen zu sehen und zu nutzen. Und Kraft wiederrum aus Dankbarkeit zu schöpfen.

Vielen Dank!

Einer dieser Tage

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