Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

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Ich habe mir heute ein Büro angeschaut…. Wenn andere Shopping Apps rauf und runter schauen, häng ich bei Immobilien-Apps rum und schau mir (rein aus Interesse) das Angebot ringsum an. Eigentlich suchen wir kein Haus oder so. Wir haben unser Eigenheim und für den aktuellen Status Quo ist es völlig ok. Und eigentlich haben wir jetzt auch nicht gerade irgendeine Art von größerem Vermögen, was dringend in Immobilien investiert werden sollte. Es ist also wirklich nur ein gucken, was so geht in der Nachbarschaft. Und letztens habe ich meinen Suchbereich mal auf Gewerbeimmobilien erweitert… nur zum gucken.

Dann fiel mir im Herbst diese eine Anzeige auf: Büro am See in einem Dachgeschoss eines alten ausgebauten Fachwerkhauses im Nebenort. Im Haus ist ein Restaurant mit Eventräumen. In der ersten Januarwoche waren wir nur mal so in dem Restaurant essen und uns die Gegend anschauen. Unten ein Biergarten mit Terrasse. Oben das Büro mit Balkon und Blick auf den See. Die Sonne schien, es war frischer Schnee gefallen. Das Eis vom See knirschte. Anbindung sogar mit S-Bahn, nebenan die Hochschule. Verdammt… es war schön dort. Als würde das Haus mich in seinen Bann ziehen. Vernunft schaltete sich ein: Zusätzliche Fixkosten kämen auf mich zu, zusätzliches Investment, um die Räume einzurichten. Ich hakte es ab.

Ich habe versucht nicht mehr groß dran zu denken. Vernunft eben. Aber die Idee eines eigenen Büros, dass auch für Workshops taugt, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Brauch ich denn wirklich ein eigenes Büro? Wie zahl ich die Miete wenn es mit den Aufträgen mal nicht so gut läuft? Die Miete ist nicht hoch, aber trotzdem wären es zusätzliche Fixkosten, die ich doch so streng minimiert habe.

Die Selbstständigkeit läuft gut, solide kann man sagen. Ich bin ein bisschen stolz, dass ich es geschafft habe, Aufträgen im Projektmanagement nahezu zu 100% durch Beratungsaufträge umgewandelt zu haben. Ich habe mich dazu neu aufgestellt, mein Profil geschärft wie man so schön sagt. Einfach war das nicht und es hat mich im letzten November zum Verzweifeln gebracht, da die Anfragen eben doch immer nur aus der Richtung PM kamen. Aber woher sollten andere Anfragen auch kommen, wenn ich doch niemanden erzählte, was ich eigentlich machen will?

Da platzte ein Knoten und ich legte los. Endlich konnte ich mein Angebot formulieren: Ich habe Programme speziell für Mittelstand mit Digitalisierungsherausforderungen entwickelt. Zudem habe ich erkannt, dass ich sehr wohl weiter für Agenturen arbeiten will. Für Agenturen, die sich verändern wollen, wachsen, bringe ich jedmögliche Arten von Erfahrung mit. Zudem das Know How, Veränderungen zu begleiten und Visionen wirksam zum Leben zu bringen.

Ich habe Beratungsprogramme aus meinen bisherigen Aufträgen für Agenturen entwickelt und rumgeschickt. Ich war auf lauter kleinen Mittelstandsveranstaltungen und habe mich überwunden Leute anzuquatschen (ich hasse Small Talk). Also ganz normale Akquise. Ja ich habe in den vorherigen 1,5 Jahren Selbstständigkeit nicht ein bisschen Akquise gemacht. Es lief einfach immer so. Aber es stimmte eben nicht mehr. PMs-Jobs reizen mich kaum noch.

Meine Aufträge jetzt sind toll. Ich mache Team-Entwicklungen, Führungs-Coachings, Organisationsentwicklung bei Digitaler Transformation. Ich helfe Teams, wenn sie Konflikte zu bewältigen haben oder wenn sie selbstorganisiertes Arbeiten einführen wollen. Ich coache agile Arbeitsweisen oder einfach nur gutes Projektmanagement. Ich habe die perfekte Mischung aus meiner „alten“ Profession PM und meiner neuen systemischer Beratung gefunden. Die Ausbildung, die ich dazu gemacht habe, hat sich auf so viele Bereiche in meinem Leben ausgewirkt (Dazu schreibe ich ein anderes mal mehr). Das systemische Beraten gibt mir eine „neue Brille“, um neben inhaltlichen Themen auch zwischenmenschliche Ebenen besser zu verstehen, zu beobachten und zu beraten. Was ich vorher als meine gute Intuition im Umgang mit Menschen in konfliktreichen Situationen wahrgenommen habe, hat nun Fundament. Ich setze Methoden ein, die Klärung und Aha-Momente bringen. Das geht natürlich weit über reine Digitalisierungsprojekte hinaus, aber das Digitale bleibt mein Schwerpunkt, eben weil in der Digitalisierung so wunderschön viel Wandel steckt, der eben durch systemische Begleitung nachhaltig wirksam werden kann.

Und nun dieses Büro. Warum eigentlich könnte ich es brauchen? Schon eine ganze Weile träume ich davon, einen Ort zu schaffen, meine Kunden zu mir einladen zu können. Workshops bei mir abhalten zu können. Ja, ich habe kooperativ immer die Möglichkeit, in Berlin einen Platz zu bekommen. Aber ich träume genau von der Verbindung, von Beratung und Entschleunigung hier draußen. Ich möchte einen Ort für „Kreative Rauszeiten“ schaffen. Ich möchte Raum geben für den Anstoß von Veränderung, von Wandel. Die Räume sind toll dafür. Sie sind in der Natur, sie sind intim. Es gibt auch für große Gruppen erweiterbare Räumlichkeiten des Restaurants. Es gibt Catering direkt unten vom Restaurant. Und es gibt den Kaffee auf der Terrasse in der Sonne mit Blick auf den See. Ich könnte den Invest nicht allein stemmen und müsste mir Geld leihen. Ich würde ein unternehmerisches Risiko (wie man so schön sagt) eingehen. Meine Mutter würde die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Mein Arbeitsplatz wäre noch immer direkt in der Nähe von zu Hause. Ich könnte die Kinder ohne Probleme weiterhin gut abholen. Ich hätte endlich meine Denkhütte für Digitales Denken … meine Neue Gemütlichkeit in echt zum Besuchen.

Was soll ich also tun?

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