Nachträgliche Gedanken zum Blumenhändler-äh- Muttertag

In meiner Familie wurde der Muttertag nie gefeiert. Mein Vater sah darin eine Verschwörung der Blumenhändler, ähnlich dem Valentinstag. Daher bin ich dem Muttertag nicht bedingungslos positiv gegenüber eingestellt.  Klassisch wird an diesem einem Sonntag im Mai die Mutter mit überteuerten Blumen beschenkt. Sie darf ausschlafen, um dann mit einem von den Kindern zubereitetem Frühstück geweckt zu werden. Den ganzen Tag über soll sie sich mal entspannen und Kinder und Mann übernehmen die Führung zu Haus. So sei der Plan.

Die Realität: Die Mutter wird noch früher als sonst von extremem Krach in der Küche geweckt, muss sich ein äußerst seltsames Frühstück rein zwingen und den ganzen Tag gequält entspannt mit ansehen, wie die Gören und der Göttergatte das Bisschen an Ordnung im Haushalt komplett durcheinanderbringen. Und bei dem ganzen zusätzlichen Stress darf Frau Mutter am nächsten Tag auch schon wieder zur Arbeit hetzen. Der Gewinner des Tages bleibt der Blumenhändler.

Schaut man sich mal als Vergleich den Vatertag an, dann fallen da gewisse Unterschiede auf. Praktischerweise hat sich das gesamte männliche Volk diesen Tag als Männertag einverleibt. Also dürfen Männer an diesem Tag mal das machen, was sie am liebsten machen: sich noch blöder anziehen und saufen. Und das Beste, sie machen das nicht etwa im Kreis ihrer Familie. Nein, sie sind natürlich mit den Kumpis unterwegs.

Ohne jetzt kulturwissenschaftliche Recherchen angestellt zu haben, ist es auch interessant, dass der Vatertag immer auf Himmelfahrt fällt. (Praktischerweise ein Donnerstag, sodass der Freitag dann eh als Brückentag freigenommen wird und der werte Herr ganze drei Tage zum Erholen hat.) Himmelfahrt ist der Tag, wo Jesus nach seinem Hinscheiden noch mal ordentlich fleißig war, um dann nach getanem Werk hinauf zum Himmel zu fahren. Versuchen die Herren der Schöpfung gar ein ähnlich spirituelles Erlebnis zu schaffen, indem sie sich so richtig volllaufen lassen?

Genug der Feiertags-Allegorien. Jetzt mal die emanzipierte Frauenhand aufs Herz: Da läuft doch was schief! Wie sähe denn ein wirklicher Feiertag für all die gestressten Mamas da draußen aus? Erst mal weg von zu Hause. Raus mit den Mädels oder schwulen Freunden shoppen und danach in viel zu teuren, neuen schicken Klamotten rein in die Bar und Cocktails schlürfen. Damit Frau Mutter am nächsten Morgen nicht von den Bälgern geweckt wird, hat sie sich vorsorglich in ein Hotel einquartiert, wo es dann im Anschluss mit einem Wellness-Tag weitergeht. So ließe es sich doch aushalten mit dem Muttertag und der Blumenhändler kann mal schön auf seinen überteuerten Rosen sitzen bleiben.

2 comments on “Nachträgliche Gedanken zum Blumenhändler-äh- Muttertag

  1. Das ist doch nicht dein Ernst?! Bei allem Respekt vor dir, deiner neu erstandenen Mutterrolle und den Frauen im Allgemeinen. Das ist ja schon wieder einer dieser Jammer-Texte.

    Die Fakten sind doch die:
    Frauen haben sogar zwei Ehrentage. Den Muttertag – gut, der ist den Müttern vorbehalten, fällt aber im Übrigen auch immer auf einen freien Tag. Und den internationalen Frauentag gibt es ja wohl auch noch. Und erzähl‘ mir nicht, dass der bei euch in der Familie nicht begangen wird. Und ganz ehrlich – ich musste schon einige Frauentagsfeiern sehen – und ihre Opfer! Da brauchen sich die Damen nicht hinter den Männertagsopfern verstecken.

    Und noch eins: Hab ich denn sowas wie nen Internationalen Homo-Tag. Ich bekomme doch auch keine Blumen dafür, dass ich schwul bin.

    1. Ein breites Grinsen steht auf meinem Gesicht. Ach ja Christian, für sowas mag ich dich! Und wenn de mich kennst, weißt du ja wie ERNST ich das Thema nehme. Ganz ehrlich wird bei uns keiner dieser Psydo-Feiertage “gefeiert”. Es gibt höchstens einen Spruch, mehr nicht. Aber wenn du magst, schick ich dir gern zum 17. Mai dem “International Day Against Homophobia” oder zum 11. Oktober dem “Coming Out Day”, am 17. Oktober sowieso oder aber zum CSD Blumen.

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