Mythos Kita-Platz

Ich könnte jetzt mit der Frauenquote, der ganzen Feminismus-Debatte und der Kristina-Schröder-Bekommt-Ein-Kind-Leier mein eigentliches Thema einleiten. Aber das kennt ja der halbwegs informierte Mensch alles von der GEZ-Talk- Maischbergers -Soße. Deswegen komm ich mal jetzt zum Thema. Ich will mal was über den Kita-Platz-Wahnsinn in Berlin loswerden, weil ich glaube, dass es da eine ganze Menge gibt, was mann/frau einfach wissen sollte, bevor sie zum geplanten ungeschützten Geschlechtsverkehr übergehen.
Im Prinzip ist so ein Kita-Platz eine feine Sache. Das Kind und Eltern kommen unter seinen Gleichen. Die einen zum Arbeiten, die anderen zum Spielen oder andersrum. Nun ist es aber leider nicht so einfach, an solchen einen Platz ran zu kommen.
In Berlin ist das so: Als erstes wird man, also frau, schwanger mit Mannes Hilfe meistens. Dann, wenn das Bäuchlein so langsam die Lieblingshosen verbannt hat, sollte man mal schleunigst anfangen die Kitas der näheren Umgebung zu kontaktieren und anzukündigen, wann man denn einen Kita-Platz benötigt. Also im Normalfall: Errechneter Geburtstermin + 12 Monate. Wer jetzt denkt, dass man vielleicht sich doch vorher erst mal anfangen sollte die Konzepte der Kitas zu studieren und danach zu entscheiden, wo man denn hin will, verliert viiiiel Zeit, die man im Kita-Platz-Jungle von Berlin nicht mehr hat.

Die Warteliste

Wenn man bei den Kitas anruft, kommt man auf eine Liste, der Interessenten. Diese Wartelisten geben den Eltern das gute Gefühl, sie hätten sich ja angemeldet und alles sei nun erledigt. Was man als uninformierte schwangere Berlinerin nicht weiß ist, dass es zusätzlich den Wartelisten Strichlisten geführt werden, wo vermerkt wird, wie oft und wie intensiv sich die Eltern nach ihrem ersten Anruf gemeldet haben. Eigentlich ganz einfach, wer sich besonders oft meldet, z.B. auch mal einen Kuchen vorbei bringt, den Rasen mäht oder eine Karte aus dem Urlaub schickt mit Sprüchen, wie sehr sich doch das dann fünf Monate alte Kind denn auf die Kita freue, der hat gute Chancen in der Liste nach oben zu hopsen. …

Der Kita-Gutschein

Wenn der Zwerg dann langsam anfängt, die erste feste Nahrung zu sich zu nehmen, ist es höchste Zeit für den behördlichen Teil. In Berlin benötigt man für einen Kita-Platz einen Betreuungsgutschein, der vom Jugendamt des jeweiligen Stadtbezirks ausgestellt wird. Dieser kann frühestens sechs und muss spätestens zwei Monate vor Beginn der Kita-Zeit beantragt werden. Auch hier gilt, umso eher, umso besser. Der Gutschein bestimmt, ob einem überhaupt ein Kita-Platz zusteht und für wie viele Stunden in der Woche. Maximal ist eine Betreuung von sieben bis neun Stunden am Tag. Die Höhe des Einkommens bestimmt zudem wie viel der Kita-Platz monatlich kostet.

Dafür müssen beide Elternteile ihre gesamten Einnahmen vom Vorjahr nachweisen. Man kann darauf auch verzichten und freiwillig den Höchstbetrag von etwas mehr als 400 EUR zahlen. Und da sollte einem auch wieder auffallen, dass ein Kind Geld kostet. Aber immerhin gilt seit diesem Jahr, dass Kinder ab 3 Jahren nicht mehr für den Platz zahlen müssen … also die Eltern. Das mit der Altersbeschränkung kommt von der CDU. Die haben das bundesweit festgelegt. Denn in den westlichen Bundesländern bleibt Mama zwei Jahre mit dem Fratz zu Hause. Na die Kristina nicht, aber da wird es wohl auch nicht am Geld oder Kita-Platz-Mangel schaden.

Zurück zum Gutschein. Es gibt SachbearbeiterInnen, die behaupten, dass sie sechs bis acht Wochen benötigen, um den Gutschein auszustellen. Um das zu beschleunigen, sollte man auf keinen Fall fordernd oder gar laut werden. Am besten auch hier Blumen mitbringen und viiiele Komplimente machen … also in der Art „Ach ja, sie haben es aber auch schwer mit ihrem Job hier. Dieser Stress und ständig ändert sich was. Und ach dieser Stapel an Anträgen da!“ Was hilft, ist auch ein weinerlicher Unterton: „Wenn wir den Gutschein nicht schnell vorlegen, dann verlieren wir den Platz.“ Wenn dann auch noch das mitgebrachte Baby herzzerreißend anfängt zu schreien, sollte die Dame vom Amt weich geworden sein. Als letzte Motivation hilft auch der Hinweis, dass man von Bekannten gehört habe, in dem Nachbarbezirk dauere die Bearbeitung des Antrags nur zwei Wochen. Wenn man dann noch ein bisschen Glück hat, steckt der Gutschein innerhalb der folgenden Woche im Briefkasten.

Gutschein und Kita zusammenbringen

Den Gutschein dann aber sofort zur Kita bringen und beten, dass der Platz noch da ist. Hier hilft ein Blumenstrauß und Bastelkarten. Ja, ist albern, hat aber alles tatsächlich geholfen. Wenn dann ein Platz wirklich richtig final, final mit Kita-Vertrag da ist, wäre es im Sinne der anderen Eltern, bei den restlichen 10 Kitas anzurufen, wo man auf der Warteliste stand und abzusagen. Machen eigentlich kaum Eltern und hilft nicht wirklich bei einer guten Vergabe der Plätze. Auch das kann mit ein Grund sein, warum diesen, sich immer wieder melden ein bisschen Sinn macht.

Ein kleiner Tipp noch für den Zeugungszeitraum. Am besten diesen so wählen, dass das Kind im Sommer oder Frühherbst Geburtstag hat. Dann gibt es die besseren Chancen, dass Kind direkt mit 1 Jahr starten kann, da dann immer Plätze wegen der Schulkinder frei werden.

Auch wenn sich einiges stellenweise recht witzig anhört, ist es doch echt traurig. Ganz ehrlich hatte ich vor dem Thema Kind keinen blassen Schimmer, was da auf uns zu kommt, aber erstmal ist dieses Thema geschafft. Es folgt, die Eingewöhnung, das Arbeiten anfangen, Vereinbarkeitskram….

Freie Plätze werden übrigens hier verzeichnet: http://www.kitanetz.de/boerse/platz/kita-pl.htm

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