Ein ganz normaler (ausbalancierter) Tag …

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Ich könnte heute an einem Donnerstag einfach an den See fahren, vormittags, ohne Kinder, einfach mal zum Schwimmen…. Die Termine heute fangen erst Mittags an und vorher arbeite ich von zu Hause. Undenkbar ist das… und einfach nur toll, dass ich das jetzt kann.

Ich habe mir das auch ganz fest vorgenommen, doch nun ist es heute irgendwie ganz schön frisch und für mich zu kalt zum Schwimmen. Also arbeite ich, bevor es nach Berlin zu Kundenterminen geht, im Homeoffice. Am Nachmittag hol ich meine Jungs aus der Kita ab und gehe mit ihnen zum Fußballtraining vom Großen. Wenn sie schlafen, mache ich meine Sport-Session, die heute mal wieder ansteht und gehe danach nochmal an den Schreibtisch und arbeite ab, was ich am Vormittag nicht geschafft habe, bzw. was nicht dringend war oder sich zwischenzeitlich so ergeben hat. Dazwischen gibt es immer wieder Telefonate und Mails.

Im klassischen Sinne der Work-Life-Balance wüsste ich nicht, ob so ein Tag jetzt nun gut oder schlecht ist. Deswegen habe ich versucht den Tag heute aufzuteilen. Dabei unterteile ich in Zeiten für:

  • Schlafen
  • Familien-Arbeitszeit (alle Dinge, die im Familienhaushalt einfach getan werden müssen)
  • Exklusive Kinderzeit (Zeit, wo ich mich ausschließlich mit den Kindern beschäftige)
  • Arbeitszeit
  • Paar-Zeit – Zeit mit #besterehemann
  • Zeit für mich

Oft lassen sich Stunden nicht genau einer Kategorie zuordnen. Denn manchmal ist man bei der Hausarbeit auch intensiv mit den Kindern beschäftigt oder bei der Arbeitszeit ist ein Treffen mit einem guten Freund inbegriffen und so wird aus einem Arbeitsmeeting ein Schwätzchen, was der Ich-Zeit zu Gute kommt. Versuch ich nun meinen Tag heute streng nach den Kategorien aufzuteilen, sähe das prozentual bei mir heute so aus:

Gut oder schlecht im politischen Sinne der Work-Life-Balance? Unten habe ich nochmal die genauen stündlichen Verteilungen aufgelistet, um deutlich zu machen, dass diese Prozentangaben oft zerstückelt sind.

Ich mag ja den Begriff Work-Life-Balance überhaupt nicht, denn er simuliert, dass man sich selbst zum einen in Arbeit und zum anderen in Leben zerteilt. Lebenszeit unterscheidet sich von Kinderlosen zu denen mit Kindern erheblich. Mein Anspruch ist jedoch, dass jede Stunde meines Tages zu meinem Leben gehört und mich ausfüllen sollte und es wert sein sollte, genossen zu werden, egal ob Arbeit, Freizeit oder Kinderzeit.

Bei der Aufteilung oben könnte man jetzt meinen, dass ich ganz schön wenig Zeit für mich habe (1,5h verteilt auf 3x 0,5h) und auch dass unsere Ehe eigentlich bald kaputt sein muss, bei nur 1,5h Paarzeit (davon auch noch 0,5h telefonisch im Auto). Besonders erfolgreich kann ich bei lediglich 8h Arbeitszeit ja wohl auch nicht sein. Es sieht also nach genau dem oft zitierten sich-selbst-zerreiben aus: beim Versuch alles unter einen Hut zu bekommen, doch nichts richtig hinzubekommen.

Und nein, das hier ist keiner dieser Jammer-Artikel. Denn fern ab der Zahlen, schau ich in mich hinein und bin unglaublich zufrieden mit meinem Tag. Jede Stunde war genutzt. Ich habe alles geschafft, was ich schaffen musste, habe mich entspannt von einer Aufgabe zur nächsten begeben. Was ich nicht geschafft habe, war nicht wichtig genug. Ja, ich bin auch müde, aber ich lege mich nachher ins Bett und schlafe zufrieden ein.

Es kommen natürlich auch die Tage, wo die Arbeit mehr Raum braucht, wo ein Kind krank ist, wo ein Streit mal einen ganzen Abend füllt oder man vom Quatschen mit #besterehemann einfach nicht nochmal an den Rechner geht. Dann verschiebt sich alles. Jedoch seit ich jetzt nun selbstständig bin, immer mit dem Blick auf eine nächste Woche, wo ich wieder frei Blöcke hin und her schieben kann, Arbeit auch mal einen (Wochen-)Tag ganz liegen lassen kann, um die fehlende Ich-Zeit aufzuholen, ohne dafür extra Urlaub einzureichen. 

Und wenn dann das Wetter mitspielt, geh ich vielleicht wirklich doch mal an einem Wochentag Vormittags im See schwimmen…

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Hier die Detail-Auflistung meines Tages heute:

00:00 Schlafen
01:00 Schlafen
02:00 Schlafen
03:00 Schlafen
04:00 Schlafen
05:00 Schlafen
06:00 Kind 2 wach – Bespaßen, nebenbei nochmal wegnicken
07:00 Aufstehen-Duschen, Kinder anziehen
08:00 Frühstück machen und gemeinsam Frühstücken
09:00 Kinder anziehen, Aufräumen, Ab in die Kita, Erstes Telefonat
10:00 Mails checken, Telefonate
11:00 Arbeiten
12:00 Arbeiten
13:00 Arbeiten & schnelles Mittag
14:00 Kundentermin
15:00 Kundentermin
16:00 Auf dem Weg zur Kita telefonieren mit dem #bestenehemann, Kinder von Kita abholen
17:00 Fußballtraining, nebenbei Mails und ein Telefonat
18:00 Nach Hause, Abendessen für die Kinder
19:00 Kinder spielen, mit #besterehemann Tag besprechen
20:00 Ab ins Bett: Aufteilung Mann bringt Kind1, Ich Kind2 ins Bett
21:00 Abendessen mit #besterehemann und danach Sport
22:00 Arbeiten
23:00 Arbeiten und was vorm Schlafen Lesen

PS: Um sich das mal ganz genau anzuschauen, müsste man natürlich ne ganze Woche betrachten. Dann wird der Raum der Arbeitszeit noch etwas geringer und die Kinder bekommen auch mehr Qualitytime ab.

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